Image Image Image Image Image
Scroll to Top

To Top

Unsere Vision

 

719256_original_R_by_Rike_pixelio.de
»Wer Visionen hat…

 

sollte zum Arzt gehen« sagte einst Altkanzler Helmut Schmidt. Zum Glück hat sich diese Haltung im Laufe der letzten Jahrzehnte geändert. Und so flatterte uns Anfang 2014 ein „Aufruf zur Interessensbekundung“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf den Tisch…

 

 

Siehe da: gesucht wurden innovative Projekte mit Schwerpunkt auf der partizipativen Jugendarbeit. Ganz in unserem Sinne! Als wir uns weiter in die Leitlinien des bmfsfj und die fünf angebotenen inhaltlichen Ausrichtungen vertieften, dämmerte uns, dass wir im Bereich „politische Bildung“ unter dem -auf den ersten Blick etwas kuriosen- Titel »demografischer Wandel«  einiges von dem verwirklichen könnten, wovon wir schon lange träumten:

 

ein Projekt aus der Perspektive von Jugendlichen mit maximal stärkendem Charakter und großer Themenvielfalt. hm…

…wir würden mit Jugendlichen arbeiten können, die ein solches Projekt wirklich brauchen können. Wir müßten niemanden zwangsbespaßen, könnten konsequent auf Freiwilligkeit aufbauen. Wir könnten den Jugendlichen unfassbar viele Möglichenkeiten bieten: mit verschiedenen kreativen Mitteln ihre Sicht auf die Welt darzustellen, sich dabei auszutauschen und Jugendliche aus anderen Regionen, Welten und Kulturen kennenzulernen. Wir könnten ihnen sinnvolle und lebensnahe Fortbildungen anbieten, die sich auch direkt mit praktischen und horizonterweiternden Erfahrungen verbinden liessen. Die Leitfragen und Vorgaben des Bundesministeriums würden also – wenn wir das Projekt geschickt aufbauen – von den Jugendlichen nicht nur inhaltlich bzw. künstlerisch beantwortet werden, sondern wären direkt erlebbar. Wir könnten erreichen, dass Jugendliche wahr- und ernst genommen werden, dass sie am gesellschaftlichen Geschehen teilhaben und dabei ihre eigene Wirksamkeit und Wichtigkeit erfahren.

 

Und schneller als wir es realisieren konnten, war (D)eine Vision geboren.

499025_original_R_K_B_by_Dr. Klaus-Uwe Gerhardt_pixelio.de

Es war (und ist) ein Eiertanz, eine angemessene Balance zu finden zwischen der Anforderung, ein klares Projektkonzept zu erstellen, das man ernsthaft beantragen kann und gleichzeitig einen ausreichenden Freiraum für die Teilhabe der Jugendlichen – auch an konzeptionellen Ausrichtung des Projekts – zu bewahren. Echte Partizipation beinhaltet konsequenterweise die Möglichkeit, dass einige Dinge anders laufen werden, als wir uns das vorher mit unseren Pädagogenhirnen so hübsch ausgedacht haben. Aber nicht umsonst war »Wandel als Chance« der erste Arbeitstitel für das Projekt und so haben wir DeineVision bewußt an vielen Stellen unfertig und offen konzipiert. An der Umsetzung dieser Herausforderung werden wir uns wohl immer wieder messen (lassen) müssen…

 

Inzwischen hat „Deine Vision.Jetzt“ die ersten Meter seines Daseins hinter sich gebracht und wagt den Sprung in die Öffentlichkeit. Unsere Freude, ein Projekt durchführen zu können, in dem die  Bedingungen, Sichtweisen und Interessen von Jugendlichen so deutlich im Mittelpunkt stehen, ist riesig. Wir wollen gemeinsam mit Jugendlichen die Chance nutzen, innerhalb von zwei Jahren ein Projekt auf die Beine zu stellen und umzusetzen, dessen Nachhall durch viele Regionen Deutschlands zu hören sein soll.

 

Wie bereits auf der Startseite beschrieben…

wird DeineVision.Jetzt mit Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren aus unterschiedlichen (Lebens-)Welten und Kulturen Deutschlands eine Art „kreativen Event- und Mitmach-Raum“ oder „wandernde Wandel-Ausstellung“ entwickeln. Die Ausstellung tourt zunächst durch Berlin, reist dann ins Berliner Umland sowie in mindestens zwei weitere Bundesländer. Sie wird jeweils von Jugendlichen der vorherigen Regionen begleitet und von Jugendlichen aus den neuen Regionen fortlaufend ergänzt, gewandelt und erweitert. (Vielleicht fliegen wir auch per Web durch viel mehr Bundesländer, wer weiss?)

Die Orte der Wandel-Ausstellung können Jugendzentren, Schulen und Ausbildungsstätten, Unternehmen, Institute, Vereine, Behörden, künstlerische oder soziale Einrichtungen oder ganz andere – ungewöhnliche oder von Jugendlichen bevorzugte – Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum sein. Während der Arbeit am Projekt werden Jugendliche nicht nur ihre jeweiligen Arbeitsergebnisse öffentlich präsentieren, sondern auch mit verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren (z.B. aus Wirtschaft, Bildung, Politik) Kontakt aufnehmen, verhandeln und Kooperationen eingehen, so dass auch über das Projekt hinaus eine nachhaltige Wirkung zu erwarten sein kann.

 

470127_original_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de

Die Reise durch Deutschland wird am Ende des Projektes mit einer grossen Abschlussveranstaltung in Berlin beendet.

Möglichst viele Jugendlichen, die sich im Laufe der Zeit am Projekt beteiligt haben, sollen hier die Möglichkeit bekommen, ihre Ergebnisse zu präsentieren. Gemeinsam mit allen Teilnehmer_innen, Kooperationspartnern sowie Interessierten soll das Projekt reflektiert und die Erkenntnisse an entsprechende Adressaten aus Politik, Wirtschaft und Bildung übergeben werden.

 

 

Jugendliche können – wenn sie es wollen – viele Schritte des Projekts selbstständig erarbeiten, inhaltlich und künstlerisch bestimmen sowie gestalten, organisieren und umsetzen – sie können sich in unterschiedlichen Arbeitsbereichen ausprobieren und einbringen:  bei der Akquise, der Öffentlichkeitsarbeit, dem Webdesign, der Netzwerkarbeit, dem Projektmanagement, der Gestaltung und Präsentationen der Ausstellungen, der Leitung der Workshops, dem künstlerischen Konzept u.v.m. Dabei werden sie durch entsprechende Fortbildungsangebote unterstützt und in die jeweilige Praxis begleitet (immer nach dem Motto: so viel wie nötig – so wenig wie möglich). Sie können ihre vielfältigen Eigenheiten und Talente einbringen und ausleben – auch oder vielleicht besonders die, die in Schule und Ausbildung „stören“, die oft ignoriert oder abgewertet werden. Sie können ihre sozialen, praktischen und kreativen Kompetenzen & Fertigkeiten weiterentwickeln oder sich – je nach Bedarf – Neues aneignen. Jugendliche sollen erleben, dass und wie sie auf die Gestaltung ihrer Lebenswelt Einfluss nehmen können. Sie sollen erfahren, dass sie für die Entwicklung unserer Gesellschaft wichtig sind, dass sie wahrgenommen und gehört werden, dass sie z ä h l e n, dass jeder und jede Einzelne von ihnen einen Unterschied macht – genauso wie sie eben sind.

 

Noch einmal ein kurzer Blick zurück in den Aufruf des Ministeriums…

Das BMFSFJ benannte die „Etablierung eines ganzheitlichen Politikansatzes, der die Interessen von Jugendlichen bei allen Entscheidungen im Blick hat“ als zentrales Ziel seines Aufrufs. Gefördert werden soll insbesondere die „unmittelbare Einflussnahme von Jugendlichen auf die Gestaltung ihrer Lebenswelt“.  Unter dem Titel »demografischer Wandel« stellt das Ministerium den Jugendlichen gleichzeitig acht inhaltliche Fragen, auf deren Antworten wir alle gespannt sein dürfen – denn hier geht es um die Erwartungen der Jugendlichen an ihre Zukunft und an die Arbeitswelt, es geht um ihre Werte, ihr Verhältnis zur älteren Generation, ihre Wünsche in Bezug auf Familie und Geschlechterrollen, ihren Umgang mit künftigen Belastungen, ihre Vorstellung davon, wie sie in einer sich wandelnden Gesellschaft Einfluss nehmen und mitgestalten können…

 

Was hat das mit uns zu tun?

Wir haben in unserer bisherigen pädagogischen Arbeit immer wieder gesehen, wieviel Potential von Jugendlichen ungenutzt verkümmert – wieviele Jugendliche zwischen Hartz IV, elterlicher, pädagogischer oder politischer Hilflosigkeit, zwischen Frustration, Gewalt, Ignoranz, Diskriminierung, mangelnder Integration und fehlenden Perspektiven zerrieben werden, wie haufenweise jugendliche Kraft, Wißbegier, Lebensfreude und Kreativität in unzureichenden Schulsystemen, Fehlförderungen, in Sozialbauten oder Flüchtlingsheimen versickern. Talente, die wir dringend brauchen könnten. Wie kann es sein, dass sich so viele Jugendliche noch immer als „Ausländer“ begreifen, obwohl sie bereits in der dritten oder vierten Generation in Deutschland leben? Wieso – wenn wir uns die aktuelle Situation zu betrachten – fühlen sich Jugendliche hier offenbar so wenig aufgehoben und zugehörig, dass sie lieber in den Dschihad ziehen?

 

WeckerWir denken, dass all diese Schwierigkeiten nicht deligierbar sind – wir können und wir wollen sie nirgendwohin abschieben. Wir sehen rechtsextreme Jugendliche nicht als lokale Kuriosität von Hellersdorf, Marzahn, Sachsen oder Thüringen – ebensowenig sehen wir gewalttätige oder kriminelle Jugendliche als Spezialität von Berlin-Neukölln oder die in den Salafismus abdriftenden Jugendlichen als Problem, das in den muslimischen Gemeinden gelöst werden kann.

 

Aufwachen, Deutschland!

All diese Jugendlichen sind u n s e r e  Jugendlichen. Der Scherbenhaufen, vor dem wir heute mancherorts stehen, ist hausgemacht. Wir alle sind verantwortlich. Die Leitlinien des BMFSFJ und seine Fragen an die Jugendlichen stellen auch uns Erwachsene, uns als Gesellschaft vor eine Herausforderung.

 

Wollen wir, wollt Ihr, wollen Sie hören, was unsere Jugendlichen uns zu sagen haben?

Wirklich? Auch wenn’s richtig weh tut? Zumindest in diesem Projekt gibt es dazu ein eindeutiges Ja. Wir wollen die Chance ergreifen und uns dem stellen, was Jugendliche über ihre Realitäten zu sagen haben. Wir gehen nicht davon aus, dass wir mit DeineVisionJetzt ein harmonisches Multi-Kulti-Kunst-Projekt aus der Taufe gehoben haben, in dem sich auf Kommando alle respektieren und miteinander wohlfühlen. Auch die heiklen Themen, die heissen Eisen und die, wie wir wissen, teilweise sehr bitteren Realitäten und Erfahrungen von Jugendlichen werden angefasst und bearbeitet werden müssen. Wir freuen uns über Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, die ebenfalls bereit sind, hierzu einen Teil beizutragen. Nehmen Sie/nehmt Kontakt mit uns auf!

Bleibt noch die Frage: was werden wir aus den gewonnenen Erkenntnissen machen?

 

 

Bildnachweise

• Quietscheentchen am Strand  © Rike / PIXELIO‘ • Turnschuh balanciert  auf Eiern © Dr.-Klaus-Uwe-Gerhardt / PIXELIO‘ • Bahnschienen die sich kreuzen © Rainer-Sturm / PIXELIO‘ • Wecker kurz vorm Mittagshunger © Thomas-Weiss / PIXELIO‘